Wer liebt mich, wen nerve ich?

- ein Interview -

Stellen Sie sich bitte zunächst einmal vor und sagen Sie, inwiefern Sie mit dem Biber in Kontakt gekommen sind.

 

Manuela: Ich heiße Manuela. Das erste Mal, dass ich einen Biber gesehen habe, war vor 2 Jahren, unten am Fluss. Ich wohne am Waldrand und ein Fluss fließt unmittelbar an meinem Garten entlang. Seitdem bekomme ich gerade in der Dämmerung immer wieder einen Biber zu sehen. Ich glaube, da haust eine ganze Biberfamilie.

 

Fiete: Moin, moin. Mein Name ist Fiete und ich bin Landwirt mit Leidenschaft. Ich habe einige Hektar Land zu bewirtschaften und einige Felder grenzen auch an einen Bachlauf, der von mehreren Bibern bewohnt wird, sogar Lütte sind dabei. Meine Fru sagt schon: "Fiete, Bliev ruhig und suutje blieven!". Aber wer mokt dat schon?!

 

Helmut: Hallo zusammen. Ich bin´s Helmut. In meiner Freizeit bin ich viel in der Natur unterwegs, fotografiere sehr gerne und bin ehrenamtlich Biberbetreuer bei der Loki-Schmidt-Stiftung in Hamburg. Bei dieser Tätigkeit habe ich schon öfter einen Biber gesehen und viel über das Nagetier gelernt.

 

Manfred: Moin moin, ich bin Manni und arbeite bei der Stadt Hamburg. Ich habe einen Biber zwar noch nie zu Gesicht bekommen, aber im Zuge meiner Arbeit musste ich mich mit den Biberschäden schon manches Mal auseinandersetzen.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Biber gemacht?

 

Manuela: Ich finde die Tiere ja ganz putzig, aber ich habe doch Bedenken. Ein paar Meter von meinem Haus entfernt habe ich entdeckt, dass sie bereits Tunnel in das Ufer gegraben haben und weiter unten habe ich sogar einen Biberdamm entdeckt. Da mache ich mir natürlich Gedanken ... Nicht, dass mein Garten von ihnen verwüstet wird oder dass das Wasser durch ihren Staudamm so stark ansteigt, dass mein schöner Garten überflutet wird!

 

Fiete: Diese Biester sind das Letzte.  Dat gifft dat net! Ich habe bisher nur Ärger mit ihnen. Meine Felder, die am Bach liegen, kann ich zu 30 % vergessen. Das Wasser tritt regelmäßig über die Ufer und überschwemmt alles, weil die dortigen Biber bestimmt drei Staudämme angelegt haben. Und erst diese ganzen Tunnel. Ich habe mich letztens mit meinem Trecker festgefahren, weil ich in einem solchen Loch steckengeblieben bin. Und nicht nur ich habe Probleme. Mein befreundeter Obstbauer Sönke stöhnt auch. Bei ihm frisst der Biber ganz viele Äpfel/Obst und nagt munter an den Obstbaumrinden. Dat muss doch ein Ende haben.

 

 

Überschwemmte Äcker
Überschwemmte Äcker
Obst-Liebhaber
Obst-Liebhaber

Helmut: Ich habe bisher nur Positives erfahren dürfen. Es gibt doch nichts Besseres, als in der Morgendämmerung diese schönen Tiere zu beobachten, wie sie durchs Wasser gleiten und wieder in ihren Bau verschwinden.

 

Manfred: Der Biber hat schon für viel Arbeit gesorgt. Einmal hat er eine Straße untergraben, die dann einsturzgefährdet war. Das mussten wir natürlich schnellstmöglich beheben. Außerdem hat er einen Damm an einem Entwässerungsgraben gebaut oder einmal wurde durch einen von ihm gefällten Baum die Stromleitung beschädigt.

 

Helmut, Sie als Biberbetreuer können doch sicherlich Stellung zu den Sorgen nehmen?

 

Helmut: Natürlich. Der Biber verändert die Landschaft, ohne uns vorher zu fragen, wie und wo. Daher stellt er einen nicht vorhersehbaren Faktor dar, was die Menschen verunsichern kann. Doch schauen wir uns den fleißigen Baumeister mal genauer an.

Er greift zwar maßgeblich in die Landschaftsstruktur ein, indem er Dämme und Burgen baut oder Bäume fällt, doch dadurch schafft er neue, artenreiche Biotope. In den Biberburgen und –dämmen können Vögel nisten, Frösche laichen und Amphibien und Insekten leben. Das ist also eine kostenlose Renaturierung für uns, was uns Steuerzahler sonst viel Geld kosten würde. Stellen Sie sich nur vor, ich habe sogar schon die seltene Libellenart „Grüne Mosaikjungfer“ oder einen Moorfrosch in Bibernähe entdecken können. Wenn Ufer durch den Tunnelbau abbrechen, bieten sich wiederum Brutplätze für den wunderschönen Eisvogel.

Vor und hinter den Biberdämmen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich dort vermehrt nährstoffreiche Sedimente ablagern, was eine größere Artenvielfalt hervorrufen kann. Zudem steigt durch einen Damm der Grundwasserspiegel an, was sich positiv auf die Trinkwasservorräte auswirkt.

 

Ein weiteres Argument, welches für den Biber spricht, ist der Hochwasserschutz. Untersuchungen haben ergeben, dass durch eine biberbedingte Fluss-Verbreiterung oder Stauung ein mögliches Hochwasser deutlich verzögert wird.

 

Das Interview ist fiktiv und dient dazu, verschiedene Meinungen über den Biber vorzustellen. Der Biber ist nämlich keineswegs nur ein willkommener Gast, sondern kann auch zu Konflikten innerhalb der Bevölkerung beitragen. Das Interview dient dazu, dass Sie sich/ihr Euch selbst ein differenziertes Bild vom Biber machen können/könnt.

 


was tun im Notfall?

 

Bei Fragen und Konfliktfällen können Sie sich gerne an Frederik Landwehr von der Loki-Schmidt-Stiftung wenden!

Biber-Hotline: 040/2840998-34